Verlagswesen

31.08.2021

Das Verlagswesen ist ein grosser Wirtschaftszweig, wobei das Buchverlagswesen das wichtigste Teilsegment ist und jährlich fast 130 Milliarden Dollar umsetzt.

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Die meisten von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, kennen natürlich die Verlagsbranche. Werfen wir trotzdem nochmal einen Blick darauf, bevor wir über die Herausforderungen und Möglichkeiten sprechen.

Von Morten B. Reitloft

Um was geht es im Verlagswesen?

Beim Verlagswesen geht es im Wesentlichen um den Kauf, den Verkauf und die Verbreitung von geistigen Rechten – und zwar in Form von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern bis hin zu Film und Radio, also so ziemlich allen Medien. Durch den jahrelangen Erfolg sind einige Verlage zu riesigen Unternehmen oder gar Grosskonzernen geworden. Sie bedienen oft viele verschiedene Märkte und veröffentlichen eine Vielzahl von Publikationen wie Bücher, Zeitschriften, Zeitungen, Software, E-Books, Filme, Radio, Fernsehen und haben in der Regel auch eine umfangreiche Internetpräsenz.

Einer der grössten, der auch Druckereien betreibt, ist die deutsche Bertelsmann-Gruppe mit mehr als 130.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 17 Milliarden Euro. Trotz COVID ist Bertelsmann im vergangenen Jahr um mehr als 10% gewachsen! Das ist in jeder Hinsicht erstaunlich.

Bertelsmann und andere grosse Verlagshäuser stehen im Wettbewerb, aber der Markt von morgen kann bereits ganz anders aussehen. Der Markt verändert sich aus vielen Gründen und einer davon ist die Technologie, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen werden.

Oftmals kümmern sich die Verlage um aufstrebende Talente und gehen in allen Bereichen Risiken ein, vom Lektorat über die Gestaltung, das Marketing, den Druck und den Vertrieb bis hin zu den oft sehr wichtigen Vorabzahlungen an die Autoren. Niemand darf die Arbeit der Verlage unterschätzen. Das Netzwerk, welches sie mit Buchhandlungen, Vertrieb und Marketing aufgebaut haben, spielt eine beträchtliche Rolle – aber was, wenn man einmal ein etablierter Autor ist?

Hefte auf einem Stapel

Der Wandel, den die Technologie ermöglicht

Die britische Autorin Jane Friedman erklärt in einem selbstgeschriebenen Beitrag, warum sie sich entschieden hat, HarperCollins, einen der grössten Verlage der Welt, zu verlassen. Selbst etablierte Autoren müssen 70-75% ihrer Bucheinnahmen an die Verlage abliefern. Sie macht in ihrem Artikel auch darauf aufmerksam, dass grosse Unternehmen wie Amazon für ihre Gier beschuldigt werden. Sie selbst behält wiederum 70% der Einnahmen, wenn sie über Amazon verkauft.

Bei meinen Recherchen für diesen Artikel habe ich festgestellt, dass zahlreiche Autoren kleine, aufstrebende Verlage in Betracht ziehen. Dies aus Gründen wie der Leidenschaft für das Buch, der guten Beziehung zwischen Verlag und Autor und weiteren Gründen wie Provisionen. Andere gehen aufs Ganze und entscheiden sich für das Self-Publishing und das ist eine Chance für unsere Branche.

Digitalisierung von Büchern

Wie Druckereien zu Verlagen werden

Bei der Zusammenarbeit mit grossen Verlagen stehen die Margen oft unter enormem Druck, da sie ihr gesamtes Volumen aufteilen, um bestmögliche Preise zu erzielen. Ausserdem liegen die Zahlungsfristen in der Regel zwischen 30 und 180 Tagen, so dass die Druckerei tatsächlich zum Verlag wird!

Mit dem Digitaldruck und der intelligenten Bindung ergeben sich sowohl für kleine Verlage als auch für Self-Publisher interessante neue Möglichkeiten. Der Digitaldruck ermöglicht es, kleinere Auflagen zu drucken, aber auch On-Demand. Dies wird den Markt verändern und neue, grosse Chancen für Druckereien bieten – und was noch besser ist, den Markt vielleicht sogar noch erweitern.

Kunden lieben Bücher. Und wie ich in fast jedem Hunkeler-Blog geschrieben habe, sind Innovation und Umsatz immer von der Nachfrage getrieben. Die Kunden lieben Bücher und das Buch als Medium wächst!

Buchproduktion und Verlagswesen

Wie kann man mit Verlagen zusammenarbeiten?

Wie also können Sie als Druckerei von diesem Trend profitieren?

Der erste Schritt ist, Bücher digital zu produzieren. Sie benötigen digitale Druck- und Weiterverarbeitungsanlagen, um qualitativ hochwertige Bücher zu liefern – und je nachdem, wie viel Sie investieren, empfehle ich Ihnen, von Anfang an so viel Automatisierung wie möglich in Betracht zu ziehen!

Vermarkten Sie Ihren Service bei kleineren Verlagen und im Internet. Stellen Sie dabei jedoch sicher, dass Sie die Produktion und den Versand verstehen und wissen, wie Sie mit Buchhandlungen, Amazon und all den On-/Offline-Verkaufsstellen umgehen müssen, mit denen Sie in Verbindung treten.

Finden Sie heraus, wo Sie einen Mehrwert schaffen können und erwägen Sie die Zusammenarbeit mit Softwareanbietern. Diese können Ihnen eine API (Schnittstelle) erstellen, damit Sie sich mit dem System der Buchverlage verbinden können. Ziehen Sie auch die Zusammenarbeit mit Cloud-Diensten wie Cloudprinter in Betracht. Bei Ihrem Geschäftsmodell geht es nicht NUR um die Produktion von Büchern in Ihrer Einrichtung, sondern vielmehr darum, die Bedürfnisse Ihrer Kunden zu bedienen – und natürlich davon zu profitieren.

Mit den heutigen Drucklösungen von HP, Canon, Ricoh, Konica-Minolta, Landa, Xerox und anderen können Sie Bücher aus einem Stück produzieren, wenn Sie Ihre Drucklösung mit dem Finishing von Hunkeler kombinieren.

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Der Long Tail (wieder)

Ein weiteres Thema, über das wir sprechen müssen, ist eigentlich eines meiner Lieblingsthemen – der Long Tail! Wenn man sich den konventionellen Einzelhandel ansieht, kann man sich leicht vorstellen, dass ein physisches Geschäft nur einen bestimmten Bestand vorhalten kann. Einzelhändler überwachen sorgfältig die Haltbarkeit und die Umschlagszeiten. Sie wissen genau, wann welcher Titel verkauft werden muss. In E-Shops mag der Platz grösser sein, aber das Problem ist das gleiche. Die Lösung besteht darin, auf Abruf (On-Demand) zu produzieren. Dies ist das ultimative Potenzial für die Branche, denn das Gesamtvolumen der Bestellungen für nicht vorrätige Produkte übersteigt den Gesamtumsatz der vorrätigen Produkte. Das mag zunächst seltsam klingen, ist aber ziemlich logisch, wenn man darüber nachdenkt.

Wenn Sie 100 Titel in Ihrer Buchhandlung lagern können, gibt es vielleicht 100.000 Titel, die Sie nicht an Lager haben – bei nur minimaler Nachfrage wird Ihnen der Long Tail logischerweise mehr Aufträge bescheren. Einzelhändler und Verlage werden das verstehen. Also, liebe Verkaufsleiter bei Druckdienstleistern – legen Sie los! Wenn Sie mehr darüber erfahren wollen, wie das funktioniert, kann ich Ihnen The Long Tail von Chris Anderson (ehemaliger Redakteur des Wired Magazine!) wärmstens empfehlen.

Wie eingangs erwähnt, verändert sich der Verlagsmarkt rasant. Es kann ein äusserst lukratives Geschäft sein, wenn man sich darauf einlässt. Ich hoffe, dieser Artikel hat Sie inspiriert. Also bis zum nächsten Mal!


Über den Author

Portrait Morten Reitloft

Morten B. Reitoft

Morten Reitoft ist der Redaktuer von INKISH News und INKISH TV. INKISH TV ist ein TV-Kanal für und über die Druckindustrie. Durch seine zahlreichen Beiträge und Videos rund um die Druckindustrie hat Morten ein breites Fachwissen über den Digitaldruck und kennt sowohl die Unternehmen als auch die Technologien dahinter.


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