Digitaldruck / Inkjet

22.06.2021

Digitaler Druck ist zu einer fantastischen und vielfältigen Möglichkeit für Kunden geworden

Hunkeler blog logo

Digitaldruck gibt es schon seit vielen Jahren und als ich vor ein paar Wochen für einen Artikel recherchierte, war ich überrascht zu erfahren, dass es Inkjet schon seit Anfang der 50er Jahre gibt. Digitaldruck welcher sogar noch weiter zurück liegt – oder zumindest die Technologie, die zum ersten Xerographie-Fotokopiergerät führte. Obwohl Digitaldruck und Inkjet bereits eine lange Geschichte haben, hat es seine Zeit gedauert, um dorthin zu gelangen, wo wir heute stehen. Lassen Sie uns also einen Blick auf die Gegenwart und Zukunft sowie die Möglichkeiten werfen, welche der Digitaldruck für Druckdienstleistern und auch Konsumenten bietet.

Als das Internet für die breite Bevölkerung zugänglich wurde, erinnere ich mich, dass die Leute über das Ende vom Druck sprachen. Und obwohl unzählige Podcasts und Artikel über den Tod der Druckindustrie spekuliert haben, ist sie immer noch sehr lebendig. Digitaler Druck ist zu einer fantastischen und vielfältigen Möglichkeit für Kunden geworden und unterstützt aktuelle, sowie neue Trends.

Aber vorerst versuchen wir zu verstehen, was Digitaldruck ist und wie er sich vom analogen oder klassischen Druck unterscheidet.

Print Finishing Check

Analoger Druck – Offset, Flexo, Siebdruck

Der analoge Druck überträgt ein zu verarbeitetes Bild – typischerweise von einer Platte oder Form auf ein Substrat. Offset oder Litho wird im allgemeinen im Akzidenz- und Verpackungsdruck verwendet. Flexo typischerweise bei flexiblen Verpackungen und Etiketten. Um es einfach zu halten, werde ich mich in diesem Artikel auf den Akzidenzdruck konzentrieren.

Analoger Druck liefert hervorragende Qualität und ist qualitativ fast allem überlegen. Die Prozesse um den Druck aufs Papier zu bekommen sind jedoch zeitaufwändig und kostspielig. Analoge Druckmaschinen gibt es schon lange, daher erwartet niemand, dass der Digitaldruck den Offsetdruck bald ablösen wird – der Wandel hat jedoch begonnen. Die Entwicklung analoger Druckmaschinen verblüfft immer wieder; allerdings können sie die Bedürfnisse der Kunden nach im kleiner werdende Auflagen und personalisierten Inhalten nicht abdecken und sind generell weniger flexibel als der Digitaldruck.

Offset Printing

Digitaldruck – Toner und Inkjet bahnen sich ihren Weg in den Akzidenzdruck

Digitale Druckmaschinen oder Drucker sind in den letzten Jahren sowohl schneller als auch qualitativ besser geworden. Noch vor einigen Jahren fühlte sich ein Druckdienstleister, der sowohl Digital- und auch Offsetdruck anbot verpflichtet, den Kunden über das verwendete Druckverfahren zu informieren. Das ist heute nicht mehr nötig.

Digitaldruck ist aber nicht nur eine Technologie. Typischerweise wird der Digitaldruck in drei Hauptkategorien unterteilt: Toner, Nass-Toner und Inkjet (Tintenstrahl). Die Drei sind im Wesentlichen gleich, ausser dass der Nasstoner in einer Flüssigkeit aufgelöst wird, während der Trockentoner ein Pulver ist. HP ist das einzige Unternehmen, welches einen Nasstoner verwendet und „Elektro-Tinte“ genannt wird. Alle anderen tonerbasierten Drucker verwenden Trockentoner. Der Toner enthält in der Regel Polymere, die auf Wärme reagieren. Wenn der Drucker also druckt, gibt er ein Bild an eine geladene Trommel und diese überträgt das Bild dann auf das Substrat. Wenn das Bild auf das Papier übertragen ist, wird die geladene Trommel gereinigt und ist bereit für das nächste Bild. Das Papier wird erhitzt, wodurch die Polymere geschmolzen werden und auf die Fasern des Papiers übertragen werden. Inkjet (Tintenstrahl) ist ebenfalls ein digitales Verfahren, und die meisten Tintenstrahldrucker drucken direkt auf das Substrat. Die Produktionstintenstrahldrucker haben keine beweglichen Druckköpfe wie beim Grossformatdruck, sondern eine Reihe von Druckköpfen, welche die gesamte Breite des Papiers abdecken – was eine wesentlich schnellere Ausgabe ermöglicht.

Der heutige tonerbasierte Druck hat eine nahezu perfekte Ausgabe und die meisten Leute werden den Unterschied zwischen analogem und digitalem Druck nicht mehr erkennen können. Aus diesem Grund haben viele Druckereien ihre kleinformatigen/alten analogen Druckmaschinen durch tonerbasierte Drucker ersetzt. Diese Drucker bieten eine schnellere Durchlaufzeit bei kleinen Druckaufträgen und erfordern oft weniger Personal. Zudem benötigt das Personal nicht den gleichen Ausbildungsstand wie bei der Arbeit an einer Offsetdruckmaschine.

Inkjet ist im kommerziellen Druckbereich der Neuling. Die Inkjet-Geräte, die vor Jahrzehnten auf den Markt kamen, wurden hauptsächlich für Transaktionsdruck, Transpromo, Schwarz-Weiss-Anwendungen und jene Produkte verwendet, die nicht die überlegene Qualität von Offsetdruckmaschinen oder Farben erforderten. Das hat sich jedoch seit der drupa 2016 rapide geändert. Jetzt liefern alle Anbieter sehr bewundernswerte Inkjet-Drucker. Sie sind schnell und haben eine grossartige Druckqualität, sowohl in Schwarz-Weiss als auch in Vollfarbe. Zudem haben sie einen viel grösseren Farbumfang als analoge Druckmaschinen, so dass Kunden einen bestimmten Prozentsatz an PMS/Pantone-Farben als verarbeitete Farben drucken können.

Inkjet Color

Begrenzt durch die Grösse des Bogens

Tonerbasierter Druck ist heute bei fast jeder Druckerei erhältlich und die Anwendungen, die Sie mit Tonergeräten produzieren können, entsprechen denen, die Sie typischerweise im Offsetdruck erwarten würden. Allerdings gibt es bei der Arbeit mit Toner ein paar Dinge zu beachten. Erstens ist die Bogengrösse der meisten tonerbasierten Drucker deutlich kleiner als im Offsetdruck. Wenn Bücher oder andere klebegebundene Produkte produziert werden, muss in Kauf genommen werden, dass eine Signatur aus sehr wenigen Seiten besteht. Zudem muss eine andere Bindungsart eingesetzt werden, z. B. Heissleim oder PUR, bei denen jedes Blatt beschnitten, gefräst und geklebt wird. Die Bindung in diesem Beispiel ist nicht darauf beschränkt, dass es in Toner gedruckt wird, aber die meisten tonerbasierten Drucker haben nur Blattgrössen bis zu SRA3 oder B3. Einige Hersteller, wie z.B. HP, sind sehr erfolgreich mit ihren B2-Druckern der HP-Indigo-Serie, die den Einsatz grösserer Formate ermöglichen, aber auch eine Bindung, die von einigen Kunden als besser angesehen wird.

Beim Drucken mit Toner fühlt sich der Druck oft so an, als ob er auf dem Papier liegt. Man sollte sich bei einigen Bedruckstoffen und einigen Druckern bewusst sein, dass der Toner beim Binden oder Falzen „reissen“ kann. Als Druckkunde muss man sich jedoch keine Sorgen machen. Ich bin mir sicher, dass Ihr Druckpartner Ihnen genau sagen kann, welche Einschränkungen bestehen. Bei Toner muss zudem berücksichtigt werden, dass nicht alle Druckveredelungen so gut sind wie bei Analog- und Tintenstrahldruckern.

Paper Rolls

Inkjet ist jetzt sowohl Bogen als auch Rolle

Bei Inkjet ist alles ein bisschen anders. Erstens gibt es auch bei Inkjet verschiedene Technologien, die ihre Stärken und Schwächen haben. Die meisten Tintenstrahldrucker waren bis vor kurzem rollenbasiert; aber Canon, Konica-Minolta, Fujifilm, Landa, Kyocera und seit ein paar Wochen auch Ricoh (und andere) bieten auch Einzelblatt-Tintenstrahlgeräte an. Trotzdem sind rollenbasierte Drucker immer noch sehr dominant. Das hat viel mit der Geschwindigkeit der Drucker zu tun. Aber auch aus mit der Spannung des Substrats, die aus mindestens zwei Gründen beherrscht werden muss. Zum einen sind dünne Substrate in einem rollenbasierten System leichter zu handhaben als Bögen, vor allem wenn das Format grösser als A3/B3/SRA3 ist. Der zweite Grund ist der Inkjet selbst. Tintenstrahldrucker verwenden Wasser, um die Farbe auf das Papier zu bringen – und wie Sie sich vorstellen können, wollen wir die Farbe, aber nicht das Wasser. Dieses muss also schnell und auch mit einem minimalen Einfluss auf das Papier entfernt werden. Wir haben doch bestimmt alle schon einmal Wasser auf ein Buch oder eine Zeitschrift geschüttet und nur Sekunden später reagiert das Papier auf das Wasser. Der Druck und das Papier werden dabei zerstört.

Rollenbasierter Digitaldruck eignet sich des weiteren auch hervorragend zum Klebebinden, da die heutigen rollenbasierten Bindegeräte schöne Signaturen für z. B. Buchblöcke erzeugen können.

Die aktuelle Situation ist, dass der Digitaldruck und insbesondere der Inkjetdruck in den kommerziellen Druckbereich vordringt, mit all den fantastischen Möglichkeiten, welche die neueste Technologie bietet.

„Alles, was digital sein kann, wird digital sein“, ist zwar eine gesättigte Phrase, wird aber dennoch als richtig angesehen. Die Zukunft des Drucks ist digital. Die Frage ist natürlich, wie lange es dauern wird, bis das so sein wird und was den Wandel am meisten beeinflusst.

Digital Print Unwinder Paper

Technologie wird von der Kundennachfrage getrieben – immer!

Wie bei allem entwickelt sich auch die Technologie mit der Kundennachfrage weiter. Es steht dabei ausser Frage, dass die Druckauflagen sinken. Warum fertige Produkte im Lager aufbewahren, wenn die Produktion von Kleinauflagen heute eine praktikable Option ist? Tiefere Druckauflagen treiben die Produktion also in Richtung Digitaldruck. Ein weiterer Trend ist die Personalisierung, die in der analogen Produktion gar nicht möglich ist. Heute ist es noch teurer, digital zu drucken, aber das ändert sich schnell. Nicht nur der höhere Preis ist ein fragwürdiger Mythos, denn im Vergleich zu was? Wenn Sie 1’000 Bücher brauchen, vielleicht ja. Aber wenn der Trend dahin geht, dass Sie heute zehn, morgen hundert und nächsten Monat hundertfünfzig produzieren, ist der Preis im Digitaldruck höchstwahrscheinlich viel wettbewerbsfähiger. Zudem sparen Sie gleichzeitig die Lagerhaltungskosten.

Ich glaube, dass wir im Akzidenzdruck eine schnelle Entwicklung hin zum Digitaldruck sehen werden, da die Pandemie das Kundenverhalten stark verändert hat und vielleicht einen bereits laufenden Trend zum nächsten Meilenstein getrieben hat.

Der Trend im Digitaldruck wird durch die Tatsache unterstützt, dass Klebebinder heute einige Möglichkeiten bieten, welche von den Kunden gewünscht sind. Druckdienstleister sind so in der Lage, schneller, besser und mit weniger Berührungspunkten, also weniger Menschen im Prozess zu produzieren.

Hunkeler bietet bewährte und hochmoderne Finishing-Lösungen für jede Digitaldruck-Finishing-Anwendung im Endlosverfahren und jetzt mit dem neuen DocuTrim auch für Einzelblatt-Digitaldrucker.

Spannende Zeiten, meine Damen und Herren.

Cut-Sheet Docutrim paper
Cut-Sheet Solution Docutrim

Über den Author

Portrait Morten Reitloft

Morten B. Reitoft

Morten Reitoft ist der Redaktuer von INKISH News und INKISH TV. INKISH TV ist ein TV-Kanal für und über die Druckindustrie. Durch seine zahlreichen Beiträge und Videos rund um die Druckindustrie hat Morten ein breites Fachwissen über den Digitaldruck und kennt sowohl die Unternehmen als auch die Technologien dahinter.


Uns interessiert Ihre Meinung