Das Vertrauen als Erfolgsrezept

11.06.2019

Dank guten Beziehungen der Konkurrenz eine Nasenlänge voraus

In der Welt zu Hause. Diesen Slogan auf die Fahne schreiben darf sich auch das Wikoner Unternehmen Hunkeler AG. Die von 200 Mitarbeitenden und 25 Lehrlingen im nördlichsten Zipfel des Kantons Luzern hergestellten Papier- und Druckverarbeitungssysteme stehen auf dem ganzen Erdball im Einsatz. Für das Vertriebs- und Wartungsnetz in rund 70 Ländern sorgen weitere 80 Angestellte. In Europa, Nord- und Südamerika oder Asien – ob Mexiko City, Hong Kong oder Boston: vor Ort sind Mitarbeiter, welche die Beziehungen zu Giganten wie Canon, HP, Xerox oder Heidelberg pflegen und unterhalten, bei der Entwicklung neuer Technologien mit von der Partie sind und mit ins Boot geholt werden. «Wir sind sehr nahe an unseren Kunden und damit dem Puls der Zeit immer eine Nasenlänge voraus», sagt Hans Gut, Geschäftsleitungsmitglied und Leiter Marketing/Partnering beim Wikoner Familienunternehmen, welches von Stefan und Michel Hunkeler in dritter Generation geführt wird.

Das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen zu den Globalplayern bezeichnet Hans Gut als einen Teil des Erfolgsrezeptes. «Wir wissen, was sie auf den Markt bringen wollen, können strategische Entscheide mit Blick nach vorne fällen.» Diese Position habe die Firma nicht von ungefähr. «Mit Visionen und Innovationen hat sich die Hunkeler AG in ihrer nunmehr beinahe 100-jährigen Geschichte weltweit einen Namen geschaffen und kann positiv in die Zukunft schauen.» Und dies in einer Branche, die wortwörtlich unter Druck steht. «Der Strukturwandel mit der teilweisen Verschiebung von Print- zu Online- Medien ist rasant. Es bleibt kein Stein auf dem andern», bestätigt Hans Gut. Doch dieser Entwicklung sei die Firma Hunkeler bereits seit mehr als 20 Jahren ausgesetzt, sie sei weder neu noch überraschend eingetroffen. «Wir haben seit jeher gut auf die veränderten Technologien und die Marktverschiebungen reagiert.» Fürwahr.

Das 1922 als Einzelfirma gegründete Unternehmen «Josef Hunkeler Wikon» begann mit Bindemaschinen für Besen, entwickelte schon früh die ersten Buch-Pressen und hat sich heute zu einem führenden Hersteller von Pre- und Post-Finishing-Lösungen im Digitaldruck gewandelt. «Der Familienbetrieb zeichnet sich seit drei Generationen als äusserst innovativfreudig aus. Gewisse Ideen wurden von der Konkurrenz anfänglich belächelt – der Markt hat der Familie Hunkeler und ihren Angestellten letztlich recht gegeben», sagt Hans Gut.

Gutenberg würde staunen

Die Auflagen und Volumen der Druckprodukte gehen weiterhin zurück, aber genau da setze der Digitaldruck ein. «Schnell, flexibel und geeignet auch für kleinere Auflagen. Es ist eine wirtschaftliche Art der Produktion und bietet neue Möglichkeiten der Kommunikation », sagt Hans Gut. Eine weisse Rolle Papier. Ein fertiger Buchblock. Dazwischen liegen genau 15 Sekunden und eine ganze Armada an Maschinen. Vom Abroller flitzt das Papier via Digitaldrucker über den Längsfalzer hin zum Papierstapler. Modul um Modul. 20 Meter Innovation «Made in Wikon».

Das Zauberwort heisst «Print on demand». Mit dieser Technik verewigen beispielsweise alle grossen Fotobuchhersteller die Ferienerlebnisse ihrer Kunden zwischen zwei Pappdeckeln oder werden Romane und Krimis gedruckt, die bei grossen Online-Händlern per World- Wide-Web bestellt werden. Ein Klick und die Maschine beginnt zu surren. Auf der Produktionslinie können nacheinander verschiedene Buchtitel in unterschiedlichen Formaten mit variabler Seitenzahl hergestellt werden. Die Zeit, Bücher auf Vorrat zu produzieren, ist vorbei. «Diese Technik macht ein Lager unnötig und spart Kosten. Zudem sind kleine Auflagen kostengünstig möglich und jeder und jede kann ein Buch herausgeben», sagt Hans Gut. Das «Print on demand»-System nutzen auch namhafte deutsche Automobilkonzerne. Im Mittel- und Luxusklassesegment wird das Bedienerhandbuch dank dieser Technik auf jeden Wagen angepasst und dessen neuem Besitzer quasi auf den Leib geschneidert. Im Beschrieb steht genau das, was im Wagen drin steckt.

Zunutze gemacht haben sich die Technik auch Zeitungshersteller. Mussten früher sämtliche englischen Tages- und Regionalzeitungen Tag für Tag vom Festland auf die Kanalinsel Jersey Island eingeflogen werden, werden diese heute direkt vor Ort via Digitaldrucker und Hunkeler Finishing produziert. Was würde wohl Johannes von Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks, zu diesen Ein-Millionen-Franken-Maschinenstrassen sagen, die Buch um Buch, Zeitung um Zeitung und individuelle Broschüren oder Kataloge am Laufmeter ausspucken? «Er würde aus dem Staunen nicht mehr herauskommen », ist Hans Gut überzeugt.

Ganz sicher wäre dies der Fall, wenn er an den von der Hunkeler AG alle zwei Jahre organisierten «Innovationdays» teilnehmen würde. Als kleine Hausmesse ins Leben gerufen, sind sie zum global grössten Schaufenster der Branche geworden. Auf Platz im Luzerner Messegelände ist das «Who is Who» der Druck-, Output- und Dokumentenmanagement- Industrie. Rund 100 Aussteller auf 11 000 Quadratmetern präsentierten 2019 ihre neusten Entwicklungen. Alleine die Firma Hunkeler fuhr mit zehn Sattelschleppern auf, stellte 30 Produktionsanlagen mit rund 100 Maschinen aus. Praxisnah. Im Massstab 1:1 und in Betrieb. Erneut folgten 6500 Entscheidungsträger aus allen Kontinenten der Einladung der Firma Hunkeler. Hans Gut: «Bei uns zu Hause, in der Welt daheim. Alle zwei Jahre kehren wir diesen Spruch für unsere Partner und Kunden um.»

Dieser Artikel stammt aus dem Willisauer Boten. Um den ganzen Beitrag zum Thema „Bei uns zu Hause, in der Welt daheim“ zu lesen, klicken Sie hier.